Heidelbeeren und Schwarze Johannisbeeren – industrielle und Dessertfrüchte. Erfahrt mehr über die Produktion der blauen Beerenfrüchte in Europa.

Weltweite Produktion von Heidelbeeren und Schwarzen Johannisbeeren

Heidelbeeren

Infografiken Heidelbeeren

Die Produktion von Heidelbeeren stieg in 20 Jahren fast auf das 30-fache[1]

Im Jahr 1995 betrug die weltweite Produktion der amerikanischen Heidelbeere 23.000 Tonnen. Bis 2016 stieg sie auf 650.000 Tonnen. Größter Lieferant dieser Früchte ist Nordamerika – der Kontinent ist für 53,4 % der weltweiten Produktion verantwortlich. Dahinter folgen Südamerika (23,9 %) und Europa (12,4 %). Die größten Heidelbeerproduzenten auf unserem Kontinent sind Spanien (24.000 t), Polen (14.000 t) und Deutschland (11.000 t).

Infografiken Heidelbeeren

Vier Arten von Heidelbeeren

Heidelbeeren können aufgrund des erforderlichen Kältezeitraums in vier Gruppen geteilt werden:

  1. Nördlicher Typ (angebaut in den nördlichen Regionen der Welt, darunter in Polen) – angepasst an ein gemäßigtes Klima, wirft seine Blätter im Winter ab (z.B. „Bluecrop”, „Duke”);
  2. Südlicher Typ – die Vegetationszeit ist hier länger, die Pflanzen verlieren ihre Blätter im Winter nicht und sind empfindlicher gegenüber Frost. Vorteil dieses Typs sind feste Früchte, die an heiße Länder, wie Spanien, Italien oder die Länder Nordafrikas angepasst sind (z.B. die Sorten „Star”, „O’Neal”);
  3. Sorten mit mittleren Anforderungen an Kältezeiträume – sind nicht zum Anbau in Gebieten mit kalten Wintern geeignet (z.B. „Legacy”);
  4. Interessant sind Sorten, die den gesamten Entwicklungszeitraum unter warmen Witterungsbedingungen durchlaufen können. Sie zeichnen sich durch wiederholte Fruchtbildung aus, weil sie das ganze Jahr Blätter haben und keine Ruhezeit im Winter benötigen. Sie werden für den Anbau in Tunneln in Südspanien und den Tropen empfohlen (z.B. „Biloxi”).

Heidelbeeren können das ganze Jahr über in verschiedenen Regionen der Welt produziert werden. In Kolumbien, Mexiko und Peru dauert die Ernte von September bis November, während auf der Nordhalbkugel zu dieser Zeit die Ernte bereits beendet ist. In Nord- und Mitteleuropa dominieren Sorten mit langem Ruhezeitraum, deren Fruchtbildung im Juni beginnt (z.B. „Duke”). Die Hochsaison der Ernte in Polen und Deutschland fällt auf Juli und August. Hier wird hauptsächlich die Sorte „Bluecrop” mit einem mittleren Reifezeitraum angebaut.

Vier Arten von Heidelbeeren

Langlebige Heidelbeeren

Die Heidelbeere ist eine langlebige Pflanze, die bis zu 30 Jahre überdauern kann. Bedingung dafür sind eine gute Vorbereitung des Standortes und entsprechende Pflegemaßnahmen (z.B. Zurückschneiden und Düngen). Die Plantagen werden auf Böden mit einem pH-Wert von 4,5-5,5 errichtet. Das können Gebiete sein, wo ehemals Wälder wuchsen oder die speziell durch einen Austausch des Unterbodens gegen sauren Torf an die Anforderungen angepasst wurden. Die Pflanzen wurzeln flach und benötigen daher Streu, um sie vor Verlust der Feuchtigkeit zu schützen. Es wird organisches Streu in Form von Nadelholz-Sägespänen oder Agrovlies unterschiedlicher Farben (grün oder schwarz) eingesetzt. Darüber hinaus ist für die hohe Qualität der Früchte ein präzises Bewässern und Düngen notwendig. Auf nicht abgeschirmten Plantagen werden Systeme zum Schutz vor Bodenfrost eingesetzt, z.B. Sprinkleranlagen über den Pflanzenkronen und Windanlagen zur Verteilung der kalten Luft.

 In Nordeuropa werden laufende Lieferungen von Dessertfrüchten durch den Anbau von Sorten mit unterschiedlichen Reifeterminen sichergestellt. Am rentabelsten ist der Anbau sehr früher Sorten (z.B. „Chantecleer”, „Duke”) und später Sorten („Chandler”, „Draper”, „Liberty”, „Aurora”), die zusätzlich noch in Kühllagern aufbewahrt werden können (beispielsweise können „Elliott”, „Liberty”, „Aurora” sogar bis Ende Oktober aufbewahrt werden). Der Anbau in Tunneln und Gewächshäusern ermöglicht eine Verschiebung des Reifezeitraums (Beschleunigung oder Verzögerung). Darüber hinaus erlauben es Abdeckungen und Überdachungen, qualitativ gute Früchte zu ernten.

Industrielle und Dessertfrüchte

Die Heidelbeere ist hauptsächlich als Dessertfrucht bekannt, wird aber auch für die Weiterverarbeitung produziert. In der Regel erfolgen die ersten beiden Ernten manuell, wenn viele Früchte noch nicht völlig reif sind. Danach kommt die mechanische Ernte mit Vollerntemaschine – von diesen Früchten kann nach der Sortierung ein Teil ebenfalls auf den Markt der Dessertfrüchte gelangen. Es gibt jedoch Länder (Großbritannien, Skandinavien) mit höheren Anforderungen, die solche Früchte nicht annehmen. Um Vollerntemaschinen einsetzen zu können, müssen die Sträucher in V-Form und nicht zu dicht gepflanzt werden. Sehr wichtig ist die Kühlung der Früchte nach der Ernte, um ihre gute Qualität und Haltbarkeit sicherzustellen.

Schwarze johannisbeeren

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Fast alle Schwarzen Johannisbeeren stammen aus Europa[2]

94 % der weltweiten Johannisbeerproduktion stammt aus Europa. Die größten Produzenten Schwarzer Johannisbeeren auf unserem Kontinent in den Jahren 2013 – 2016 waren Polen (105.000 t), die Ukraine (bedeutend weniger, da nur 34.000 t), sowie Großbritannien (12.000 t).

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Johannisbeerprodukte

Die Johannisbeere wird in der Regel für Verarbeitungszwecke angebaut. Die Plantagen werden nach einer einfachen, billigen Technologie im Boden und ohne Abschirmungen oder Bewässerung für die maschinelle Ernte (3,5-4 m zwischen den Reihen) angelegt. Die Früchte zeichnen sich durch hohe Erträge, hohen Anthocyan-Gehalt und hohen Gehalt an Brix-Extrakt aus („Tiben”, „Tisel”).

Die Produzenten suchen ständig nach Möglichkeiten der Rationalisierung der Produktion. Ein Trend ist aktuell die Beschränkung des konventionellen Anbaus und die Kontraktproduktion. Beispielhaft dafür ist die Zusammenarbeit der Hersteller und Verarbeitungsbetriebe in Großbritannien, wo 95 % der Produktion von der Verarbeitungsfirma kontraktiert werden, was eine Garantie für die Qualität des Produkts und den Preis für den Produzenten darstellt. In geringem Umfang entwickelt sich zudem auch der Sektor der Produktion ökologischer Johannisbeeren, der ebenfalls die Rentabilität steigern kann, da die Preise für Bio-Johannisbeeren um das Mehrfache höher sind.

Dessertfrüchte in geringem Umfang

In geringem Umfang werden in den westeuropäischen Ländern Schwarze Johannisbeeren als Dessertfrüchte angebaut. Ihre Sträucher erfordern eine spezielle Führung – die Erneuerung der Triebe, den Anbau im Boden oder in Töpfen sowie unter Überdachungen, um eine hohe Qualität der Früchte zu gewährleisten. Die entsprechenden Sorten müssen sich durch große, schmackhafte Früchte mit hohem Brix-Gehalt, geringem Johannisbeer-Nachgeschmack und hohen Erträgen auszeichnen (z.B. „Bona”, „Big Ben”, „Gofert”).

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Andere Anwendungen von Johannisbeeren

Eine andere Idee zur Steigerung der Rentabilität beim Anbau von Schwarzen Johannisbeeren ist die Produktion von Früchten mit spezieller Bestimmung, etwa für Kindernahrung oder sogenannte „Premiumfrüchte“. Solch ein Anbau wird kontraktiert, wobei die Produktion unter strenger Kontrolle gemäß den Zertifikaten G.A.P. und IPO stattfindet. Die hochwertigen Früchte finden Abnehmer beispielsweise in Korea, Japan, China, Kanada oder Australien.

Mit der Popularisierung und Förderung Schwarzer Johannisbeeren und der aus ihnen entstehenden Produkte, z.B. gesunder Getränke, beschäftigt sich die Internationale Johannisbeer-Vereinigung. Ihr Ziel ist die Steigerung der Nachfrage nach diesen wertvollen und gesundheitsfördernden Früchten.

[1] Material erstellt in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft Niwa Hodowla Roślin Jagodowych Sp. z o.o.
[2] Ebenda.
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